VORSCHAU (noch nicht lieferbar): Das Bremer Ratsdenkelbuch 1395 – 1600

DAS BREMER RATSDENKELBUCH – Wissenschaftliche Erstedition

Bearbeitet von Ulrich Weidinger

In Verbindung mit der Historischen Gesellschaft Bremen herausgegeben vom Staatsarchiv Bremen

Bremisches Jahrbuch, Zweite Reihe, Sechster Band, erscheint voraussichtlich 2022

Im Spätmittelalter wurden in zahlreichen Städten sog. Stadtbücher angelegt, in die vielfältige Einträge aufgenommen wurden: Urkunden, Protokolle, Vorschriften und Berichte, aber auch Einnahme- und Steuerangelegenheiten.

Auch in Bremen wurde in dieser Form von 1395 bis ca. 1600 ein Stadtbuch geführt, das sog. Ratsdenkelbuch. Es wurde vom Rat der Stadt Bremen als Memorialbuch genutzt. Von 1395 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts fanden ca. 200 Jahre lang wichtige Vorgänge Eingang in dieses Buch, das dem Rat dazu diente, Denkwürdiges festzuhalten – daher der Name.

In mittelniederdeutscher Sprache mit einigen lateinischen Einsprengseln führt das Buch unmittelbar in die Politik und den Alltag der Hansestadt Bremen: Es werden diplomatische Texte wie Vorlagen zu Reichs- und Hansetagen wiedergegeben, aber auch Listen von Handelsgütern auf Bremer Schiffen. Die Piratenbekämpfung in der Nordsee findet ebenso ausführliche Erwähnung wie die Rechtsprechung in der Stadt. Überhaupt wird der Regelung des Zusammenlebens in Bremen viel Raum eingeräumt. So ist die älteste Kundige Rolle von 1450, die das Alltagsrecht festhielt, nur in einer Abschrift im Ratsdenkelbuch überliefert. Auch das Verhältnis zwischen Stadt und Rat auf der einen sowie Kirche und Erzbischof auf der anderen Seite wird deutlich. Zahlreiche Einträge gelten Fragen der Ratspolitik und Stadtverwaltung und immer wieder dem Alltag der Bürger.

Das Ratsdenkelbuch wurde schon früh für seinen hohen Quellenwert für die Bremer Geschichte erkannt und auszugsweise publiziert. Weil es im Zweiten Weltkrieg als Kulturgut verschleppt wurde und erst 1990 nach Bremen zurückkam, wurde es bislang noch nicht vollständig transkribiert und ediert.
Dr. Ulrich Weidinger, der bereits das Bremer Bürgerbuch von 1298-1519 edierte, hat nun diese aufwändige Aufgabe übernommen. Die Edition mit einer Einführung und einem Register wendet sich an Forschung und Wissenschaft, aber auch an alle, die sich für Bremens mittelalterliche Geschichte interessieren.

Das Buch soll im Jahr 2022 vom Staatsarchiv Bremen in bewährter Zusammenarbeit von Staatsarchiv Bremen und Historischer  Gesellschaft Bremen herausgegeben werden. Das Vorhaben wird durch die Stiftung Landesgeschichte der Historischen Gesellschaft Bremen gefördert.